Wasserball Geschichte

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Wasserball und Ewigkeit

Die Geschichte der spritzigsten Ballsportart

Wasserball ist das älteste olympische Mannschaftsspiel. Sehr lange vor Tennis, Fußball und anderen herkömmlichen Ballsportarten wurde es bei den olympischen Spielen 1900 in Paris zum ersten Mal gespielt. Warum tun Menschen sowas? Was treibt sie? Wir suchen auf dieser Seite nach Antworten aus der Vergangenheit.

  • Die Wasserball-Chronik
  • Promis am Ball – Wasserball spielende Berühmtheiten
  • Hall of Fame – Die Ergebnisse der olympischen Turniere
  • Die Geschichte der HTB62-Wasserballer

Urgeschichte

Experten sind sich nicht einig, wie es zu der Idee kam, das Spiel mit einem Ball und zwei Mannschaften zu domestizieren. Zwei Möglichkeiten werden heute als Ursprünge unserer Sportart favorisiert. Ort des Geschehens war bei beiden Varianten das britische Empire des vorletzten Jahrhunderts.

Erste Variante

Im Londoner Hafen langweilten sich die Arbeiter. Zur Auflockerung der Schicht wurden Fässer ins Wasser geworfen und darauf Wettrennen veranstaltet. Später wurden die Fässer mit Pferdeköpfen verziert und ein Ball ins Wasser getan, der mit einem Stock vorangetrieben werden musste. Diese Variante erklärt die Herkunft des englischen Namens “Water Polo” für Wasserball, denn die Pferdesportart Polo wird hier nachgeahmt. Das Problem dieser Variante: Keiner konnte bis heute erklären, wie ein Hafenarbeiter auf der Themse gleichzeitig auf einem Fass balanciert, vorwärts rudert und einen Ball spielt.

Zweite Variante

Schwimmen wurde in der Mitte des 19. Jahrhunterts immer beliebter. Lange und langweilige Schwimmwettkämpfe sollten aufgepeppt werden und das bekannte und traditionsreiche Rugby-Spiel wurde ins Wasser übertragen. Das Publikum war begeistert, denn es gab spektakuläre Szenen im Wasser. Zum ersten Mal wurde auf diese Weise im Jahre 1876 in Bournemouth gespielt. Das Spielfeld war etwa 50 Meter lang. Als Tore gab es Ruderboote, in die der Ball gelegt werden musste. Auf einem weiteren Ruderboot in der Spielfeldmitte stand der Schiedsrichter, der wie heute das Spiel anpfiff und den Ball in die Mitte legte. Erst dann durften die Spieler aus den Toren = Booten starten. In der Halle kam eine Wasser-Baseball-Variante bereits 1874 im Londoner “Chrystal Palace” zur Premiere. Auch diese Variante erklärt den seltsamen Namen “Polo”: Aus den indischen Kolonien wurde ein luftgefüllter Gummiball, genannt “pulu”, importiert. Er ersetzte die alten Bälle, die aus Schwinemägen zusammengestrickt waren, war Ideal für das Spiel im Wasser und hatte nur eine einzige Macke: Er platzte dauernd und musste mehrmals während eines Spieles ersetzt werden. Diese zweite Variante ist die wahrscheinlichere Geschichte Entstehungsgeschichte der Sportart Wasserball.

Ab 1870 gab es in London erste Hallenbäder. Der Londoner Schwimmverband einigte sich auf erste Spielregeln. Es gab noch keine Tore. Der Ball musste stattdessen an das Ende des Beckens gebracht werden oder wie bei der anderen Variante auf ein Boot oder Floß gelegt werden. Ein beliebter Spielzug war, den Gummiball einfach in der Badeanzug zu stopfen und zu verstecken. Das war in dem trüben Wasser durchaus möglich. Der Torwart wartete am Beckenrand und sprang bei einer günstigen Gelegenheit einfach auf den Gegner.

Schiedsrichter gab es bei dieser Hallenvariante nicht. In diesem Tumult ging es manchmal furchtbar brutal zu. Oft kam es dazu, dass am Ende eines Spieles einige Spieler mit Rücken nach oben im Becken trieben. Die Spiele waren Gruppenkämpfe mit Ringkampfeinlagen unter Wasser. Sie hatten kaum etwas damit zu tun, was wir heute vom Wasserball kennen.

Das Kraulen war noch unbekannt und man trieb mit einem brustschwimm-ähnlichen Stil durchs Becken. Auch die Brutalität wurde unbeliebter und es wurde notwendig weltweit einheitliche und “zivile” Regeln für diese neue Sportart festzulegen.

Evolution

1877 änderte der Schotte William Wilson die Regeln ab und schuf damit eine Grundlage für das moderne Wasserballspiel. Neu war, dass nur der Spieler, der in Ballbesitz war, angegriffen werden durfte. Damit wurden die Ringkämpfe vermieden und es entstand ein schnelles Passspiel. Auf Grundlage dieser “schottischen Regeln” wurde 1886 ein internationales Regelwerk geschaffen.

Weitere Regeln:

  • Ein Spiel dauerte zwanzig Minuten.
  • Zu Beginn des Spiels warf der Schiedsrichter den Ball in die Mitte – das Anschwimmen.
  • Der Ball war jetzt aus Leder und wurde wegen des Wassers eingefettet.
  • Im Spiel durfte der Ball irgendwie über und unter Wasser geführt werden.
  • Wer den Ball nicht hat, darf auch nicht behindert werden, ansonsten gibt es einen Freiwurf.
  • Das Spielfeld war wegen der kleinen Hallenbäder nur 8 mal 17 Meter groß und mindestens 90 Zentimeter tief. Das Stehen war verboten.
  • Das Tor war ein 3 mal 10 Fuß großer Käfig, also fast so groß wie heute.
  • Bei einem Regelverstoß gab es einen Freiwurf für die gegnerische Mannschaft. In der
  • Spielzeit vor einem Freiwurf durfte sich kein Spieler im Spielfeld bewegen.

Einen weiteren Schritt nach vorne erlebte der Wasserballsport durch die Einführung des Kraulens, dem “Trugdeon-Stil”. John Trugde brachte aus Südamerika einen Schwimmstil mit, den er den Eingeborenen abgekuckt hatte. Dabei werden die Arme über Wasser nach vorne gezogen, die Beine werden gegrätsch und der ganze Körper macht eine Rollbewegung. Mit dem mordernen Kraulen hat dies zwar wenig zu tun, das Wasserballspiel wurde aber bedeutend schneller und wendiger, aber auch kräftezehrender.

1888 kam Wasserball nach Amerika. Die Zuschauer waren fasziniert, denn es wurde nicht nach den gerade beschlossenen Regeln gespielt. Das Spiel glich eher einer Art American Football im Wasser und im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts war die nationale Liga sehr beliebt. Bis zu 14.000 Zuschauer zog der neue Sport in seinen Bann, beispielsweise im Madison Square Garden.

Die “amerikanischen Regeln” lebten ganz eindeutig von der erlaubten Brutalität. Ein Journalist prägte das Zitat vom “Massenmord im Wasser”. Besonders beliebt waren Spielzüge wie der “springende Lachs”, bei dem ein Spieler von seinen Mitspielern aus dem Wasser geschleudert wurde und ein Tor werfen konnte. Die Amerikaner erklärten, ihre Schwimmbecken wären zu klein um ein Werfen über Wasser zu erlauben und behielten ihr Regelwerk bei, in Europa wandte man sich entsetzt ab. Ab 1894 entschieden sich die führenden Wasserball-Länder für die “schottischen Regeln”. Das Spiel wurde sehr populär und im Jahre 1900 holten sich die Briten bei den Olympischen Spielen in Paris die ersten Goldmedallien.

Olympisches Zeitalter

Zur Jahrhundertwende gab es das erste olympische Wasserballereignis internationaler Art. Vier Jahre später waren mit St.Louis als Austragungsort die Amerikaner die Gastgeber. Die wollten natürlich nach ihren eigenen Regeln spielen. Die europäischen Länder beschlossen daraufhin, dass die Anreise über den Ozean zu teuer wäre und sagten ab. Deshalb spielten dort nicht Länder, sondern Clubs um olympisches Gold. Und weil die Konkurrenz aus Übersee fehlte, konnten auch die “amerikanischen Regeln” angewandt werden.

Es wurde ein totales Desaster. In den USA spielte man in künstlich angelegten Seen und Tümpeln. Dort nahm man es mit der Wasserqualität und der Hygiene lange nicht so ernst wie bei uns im Kiwi. Die Folge: Mehrere Spieler infizierten sich mit Typhus. Erst 1912 nahm auch die USA das internationale Regelwerk an, nachdem ein Spiel in einer Massenschlägerei endete.

Rechtzeitig vor den Olympischen Spielen 1908 in London wurde der Weltschwimmverband (FINA) gegründet und auch die Wasserballer waren beteiligt. In diesem Zuge setzten sich die “schottischen Regeln” als die weltweiten Regeln durch. Und nach diesen Regeln wurde dann auch das Olympische Turnier gespielt. Das Spielfeld bekam die heute üblichen Maße, die Spielzeit wurde auf 14 Minuten festgelegt. Die Spieler mussten von der Torlinie aus starten und es war nur noch erlaubt, den Ball mit einer Hand zu spielen. Der Torwart bekam einen 4-Yard-Raum, entsprechend dem heutigen 4-Meter-Raum, den er nicht verlassen durfte. Es wurden schwere Fehler eingeführt, dazu zählte die Abseitsregel (2 Yards), das absichtliche Spritzen, das Zeitspiel und immer noch das Bewegen, bevor ein Freiwurf ausgeführt war. Ein Spieler, der einen schweren Fehler beging musste bis zum nächsten Tor das Spielfeld verlassen. Bei einem schweren Fehler innerhalb des 4-Yard-Raumes wurde ein Strafwurf von der 4-Yard-Linie geworfen.

Barcelona 1914 Amsterdam 1928

Ein kurioses Spiel fand 1920 in Antwerpen statt. Die Mannschaften aus Italien und Schweden sollten gegeneinander spielen. Leider war den Italienern das Wasser zu kalt und nur der Mannschaftskapitän traute sich rein. Beim Spielstand von 0:7 gab aber auch er mit hängender Zunge auf und so gab´s Gold für die abgehärteten Schweden.

Die deutschen Olympiagewinner 1928. Ungarn 1952

Zu diesem Zeitpunkt war Deutschland aus politischen Gründen kein Mitglied der FINA. Entsprechend wurden die Regeln nach eigenen Vorstellungen und aus heutiger Sicht etwas sinnfrei abgeändert: Es war hierzulande zum Beispiel nicht erlaubt, während eines Spieles zu sprechen…

Ab 1924 wurden die internationalen Regeln in Deutschland wieder gültig.

Bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam sorgte die deutsche Mannschaft für eine Überraschung. Gegen den ersten Europameister Ungarn gewannen die Deutschen nach Verlängerung mit 5:2 – bis 1980 sollten die Ungarn daraufhin bei allen olympischen Spielen eine Medaille holen.

Rekord. In Ungarn ist Wasserball Nationalsportart.

Neuzeit

Zu Beginn der olympischen Wasserballgeschichte einigte man sich auf normale Fußbälle, die mit Fett eingeschmiert waren, als Spielbälle. Ab 1936 wurden baumwollgefütterte Gummibälle bevorzugt. Die Bälle waren zunächst rot, nach 1956 setzte sich gelb als komplimentäre Farbe zum Blau des Wassers durch.

1950 wurde endlich der “Standwasserball” abgeschafft. Es wurde erlaubt, während der gesamten Spielzeit zu schwimmen, also auch in der “toten Zeit”, das ist die Zeit in der z.B. ein Freiwurf ausgeführt wird. Diese kleine Zeile im Regelwerk ist für das Spiel entscheidend. Ab jetzt kam es neben dem Ballhandling auch auf schwimmerisches Geschick und Kondition an.

Ein medial sehr bekanntes Spiel, aber ein sportlicher Tiefpunkt, war das “Blutspiel” oder gar “Blutbad” bei den Olympischen Spiele in Melbourne 1956. Ungarn spielte gegen die Sowjetunion, die kurz vorher die ungarische Revolution mit Waffengewalt beendete. Die Ungarn gewannen das Spiel mit 4:0. Die ungarische Spielerlegende Ervin Zador musste jedoch auf Grund von blutenden Verletzungen im Gesicht das Becken zwei Minuten vor Spielende verlassen. Nach den olympischen Spielen 1960 in Rom wurden weitere grundlegende Regeln geändert. Ein Spiel dauert jetzt vier mal fünf Minuten. Nach jedem Viertel wurden die Seiten gewechselt. Zu einer Mannschaft gehörten 11 Spieler, jedoch durften die nur in der Viertelpause ausgewechselt werden.

1952: UdSSR gegen Jugoslawien 1959 in Italien

In den folgenden Jahrzehnten wurden die Regeln ausgebaut – die Spielzeit verlängert, die Angriffs- und Ausschlusszeit verkürzt. Nachdem bei den Olympischen Spielen in Barcelona 1992 das Endspiel insgesamt sechs Verlängerungen hatte und sich König Juan Carlos als Zuschauer einen Sonnenbrand dabei holte, wurde kurzzeitig ein Golden Goal als Entscheidungsfindung eingeführt. Ein Jahr später wurde festgelegt, dass es bei zwei kurzen Verlängerungen und einem abschließenden Vier-Meter-schießen bleiben sollte.

Seit der Schwimm-Weltmeisterschaft 1976 in Berlin durften endlich auch Frauen an internationalen Wettkämpfen teilnehmen. Erst in Sydney 2000, 100 Jahre nach den Männern, wurde Frauen-Wasserball in das olympische Programm aufgenommen. Die aktuellen Wasserball-Regeln sind schnell und attraktiv.